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Cushing – ein Erfahrungsbericht

Wir mussten der uns bis 2010/2011 völlig unbekannten Krankheit stellen, uns damit beschäftigen und auseinandersetzen. Ich habe hier ein paar Dinge zusammengefasst, die vielleicht ein wenig helfen können Cushing möglichst früh zu erkennen und sich einem kompetenten Tierarzt anzuvertrauen.

CUSHING:

Ist eine relativ weit verbreitete, jedoch häufig nicht, nicht korrekt und/oder nicht schnell genug diagnostizierte Erkrankung meist älterer Hunde. Auch wird gesagt, dass kleine Rassen eher an Cushing erkranken als große Rassen. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel!!!

Einleitung:

Bei dieser Krankheit produziert die Nebennierenrinde zu viel Kortisol. Die erhöhte Kortisolbildung führt zu weitergehenden Schäden der inneren Organe wie Leber, Nieren und/oder Bauchspeicheldrüse und hat u.a. Auswirkungen beispielsweise auf die Haarfollikel.

Welche Arten von Cushing gibt es?

Man unterscheidet grundsätzlich das Cushing-Syndrom und Morbus Cushing sowie den “latrogenen” Cushing.

Was ist der Unterschied zwischen den drei Formen?

Cushing Syndrom:
Einfach ausgedrückt befindet sich in der Nebennierenrinde (NNR) ein Adenom (Geschwulst, Tumor) oder ein Adenokarzinom (Krebsgeschwulst). Dieses regt die NNR dazu an, vermehrt Kortisol zu produzieren. Diese Form des Cushing kommt laut Studien in etwa 15% aller Erkrankungen vor. Man spricht auch von einem “adrenalen Cushing”.

Morbus Cushing:

Hierbei ist der Auslöser ein -meist- gutartiger Tumor, der in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) sitzt. Der Tumor stimuliert die Hypophyse, ein Hormon namens ACTH in sehr hohen Mengen auszuschütten. Dieses ACTH wiederum veranlasst die NNR zu der erhöhten Kortisolbildung.

Iatrogener Cushing:

Die Ursache für diese Form des Cushing ist die kurzfristige, sehr hochdosierte externe Gabe von Kortikosteroiden, also Cortison von außen. Manche Krankheiten können – wie beim Menschen auch – die Applikation von Cortison erforderlich machen. Unter Umständen führt das zu einem Cushing.

Woran erkennt der Besitzer, ob der Hund evtl. Cushing haben könnte?

Cushing ist klinisch (also das, was man als Besitzer beobachten kann) nicht immer erkennbar. Es gibt eine Reihe von Anzeichen, die für Cushing, aber auch für viele andere Krankheiten sprechen können. An den klinischen Beobachtungen lässt sich erst einmal kein Rückschluss ziehen, denn nicht bei jedem Hund müssen die bzw. alle Symptome auftreten.

Anzeichen:

  • vermehrter Durst und dadurch vermehrtes Harnlassen
  • verstärkter Appetit (Fresssucht)
  • Stammfettsucht an Brust und Bauch (Hängebauch)
  • Haarausfall bis zur stellenweisen Kahlheit, stumpfes, schütteres Fell
  • Hautveränderungen (dünnere Haut), Kalzium-Einlagerungen unter der Haut
  • Lebervergrößerungen
  • Hinterhandschwäche, schwankender Gang, Muskeln bilden sich zurück, so dass es teilweise auch zu Stürzen des Hundes kommen kann
  • Entzündungsanfälligkeit, spez. Urinaltrakt aber auch der Haut und Ohren
  • Hoden beim Rüden verkleinern sich, Läufigkeit bei der Hündin bleibt aus

Woran erkennt der Tierarzt, ob der Hund evtl. Cushing haben könnte?
Um eine Krankheit zu diagnostizieren muss man erst einmal an sie denken!!!

Dieser weise Satz trifft haargenau auf Cushing zu. Die möglichen Folgen der Krankheit (Leber- und Nierenvergrößerungen, unter Umständen akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, Infektionen des Urinaltraktes, Gebärmutterentzündungen bei der Hündin usw.) können die eigentliche Ursache häufig verschleiern. Bei manchen Hunden mit Cushing-Syndrom sind die Symptome sehr stark ausgeprägt, während andere Tiere nur wenige und schwache Symptome zeigen. Zusätzlich zum Cushing-Syndrom können andere Erkrankungen auftreten, manchmal entwickelt sich ein Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) beim Hund.
Es muss mittels einem großem Blutbild mit Kortisolbestimmung ermittelt werden, ob der Hund an Cushing erkrankt ist.

Was ist, wenn die Laborwerte auf Cushing hindeuten?

Deuten die bisher erlangten Erkenntnisse auf Cushing, so wendet der Tierarzt mehrere der verschiedenen Testverfahren (ACTH-Stimulationstest, Dexamethason-Suppressionstest – low dose oder high dose -, in selteneren Fällen auch eine ACTH-Bestimmung), an. Denn bis zu diesem Zeitpunkt ist zwar vielleicht die vorläufige Diagnose gestellt, die Ursache – also welche Cushingform vorliegt – ist aber noch nicht klar. Die o.g. Tests zeigen einem erfahrenen Tierarzt meist die ganze Wahrheit. Aber Achtung: Studien belegen, dass etwa 15% der erkrankten Hunde durch die Tests trotzdem nicht zweifelsfrei diagnostiziert werden können!!!

Wie sieht die Behandlung der Krankheit aus?

Abhängig von der Form des Cushing (ohne iatrogene Form), gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten:

  • medikamentös: das ist die am weitesten verbreitete Form
  • operativ: dies ist nur in Ausnahmefällen möglich. Ein NNR-Tumor ist dabei unter Umständen einfacher operativ zu entfernen. Eine OP des Hypophysentumores wird zur Zeit weltweit bisher lediglich an der Vet-Uni in Utrecht/NL durch Prof. Meij durchgeführt. Die Operation ist allerdings sehr schwierig, oft überleben die Hunde den Eingriff nicht.
  • durch Bestrahlung: Fr. Dr. Kaser-Hotz von der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich berichtete auf dem ECVIM-Congress 2005 von sehr guten Erfolgen bei der Bestrahlung von Hypophysen-Tumoren.

Welche Medikamente gibt es?
z.B. Trilostane – Handelsname Vetoryl

Vetoryl hemmt die Bildung von Progesteron und dadurch die Synthese verschiedener Steroide, darunter auch Cortisol und Aldosteron. Die vorher übermäßige Kortisolproduktion wird so unterdrückt. Vetoryl ist in England derzeit das einzig zugelassene Medikament in der Cushingbehandlung, während es in den USA keine Zulassung hat. Sein Vorteil besteht darin, dass die oben beschriebene Blockade der Enzymsynthese reversibel ist und das Ziel der Therapie – im Gegensatz zu Lysodren – nicht die gewollte, dauerhafte Zerstörung der eigentlich “gesunden” Nebennierenrinde ist. Ein weiterer Vorteil ist die kurze Wirkdauer im tierischen Körper, die es ermöglicht, evtl. auftretenden Nebenwirkungen durch Absetzen der Medikation rasch entgegenzuwirken. Vetoryl wird i.d.R. 1x täglich verabreicht, eine Aufteilung der Tagesdosis auf 2 Gaben kann helfen, wenn das Tier zwar gute post-ACTH-Werte, aber nach wie vor klinische Symptomatik aufweist.

Bei Eingabe von Vetoryl wird in klinischen Studien nur in seltenen Fällen von Nebenwirkungen berichtet. Komplikationen, speziell beim Vorliegen weiterer Erkrankungen, können jedoch wie bei jeder Krankheit bzw. jeder Medikation nie ganz ausgeschlossen werden.

Wie sieht die Lebenserwartung aus?

Grundsätzlich ist die Lebenserwartung eines gut medikamentös eingestellten Cushing-Hundes mit der eines gesunden Tieres nahezu vergleichbar. Natürlich kann es im Verlauf der Therapie immer wieder zu Problemen kommen, die durch Begleiterkrankungen verursacht werden und Dosisanpassungen erforderlich machen. Wichtig ist ein gutes Auge des Besitzers und eine optimierte tierärztliche Überwachung. Selbst bei problemlosen Verläufen ist eine Überwachung mittels ACTH-Tests im Abstand von 3 Monaten, in Ausnahmefällen auch 6 Monaten, angeraten.

Stellen Sie sich bei dem Verdacht auf Cushing bei Ihrem Hund folgende Fragen :

  • Hat mein Haustierarzt selber den Verdacht geäußert?
  • Wenn ja: wieviele Cushing-Patienten hat er bereits behandelt und wie?
  • Kennt er alle Therapieformen, hat er z.B. Broschüren, Bücher und sonstiges Infomaterial über die Krankheit?
  • Vertraue ich ihm 100%ig? Sich eine zweite Meinung einzuholen ist evtl. dennoch in  Erwägung zu ziehen.
  • Ist er bereit, mit einem Spezialisten zusammenzuarbeiten und/oder gemeinsam zu lernen?

Die finanzielle Seite:

Cushing ist eine sehr kostspielige Krankheit. Die Medikamente, die anfänglich sehr engen Kontrolltermine, die umfangreichen Tests usw. kosten eine Menge Geld. Darüber muss man sich im Klaren sein!!!

Die persönliche Seite:

Einen Cushing-Hund optimal zu betreuen und versorgen, bedeutet eine große Verantwortung auf lange Zeit zu übernehmen. Es stehen viele Tierarztbesuche, Kontrolltermine usw. an. Die Tabletten müssen täglich zeitlich genau verabreicht werden, um den gewünschten Erfolg langfristig erzielen und festigen zu können. Auch wird es im Verlauf der Krankheit immer wieder Höhen und Tiefen ihres Hundes geben, die natürlich die gesamte Familie psychisch an ihre Grenzen bringen können.

In unserem Fall hat das Cushing einen dramatischen Verlauf genommen, dem wir nichts entgegensetzen konnten.

Aaryan, Normandie 2010

Die Krankheit Cushing an sich ist zwar nicht heilbar aber behandelbar und es gibt viele Hunde, die ein weitestgehend normales Leben damit führen.

Anmerkung des Teams: Möglicherweise bestehen inzwischen Möglichkeiten neuer Medikamente oder Behandlungsmöglichkeiten. Besprechen Sie sich immer ausführlich mit Ihrem Tierarzt darüber. Sollten Sie einen Experten in dem Gebiet suchen, dann sprechen Sie uns gerne an und wir können Ihnen da weiterhelfen.